Katholische Kirchengemeinde St. Michael Tübingen
50 Jahre Profess Schwester Narcisia



6. September 1958 - 2008

Wir Schwestern freuen uns auch in diesem Jahr ein Jubiläumfeiern zu dürfen:
50 Jahre Profess von Sr. Narcisia: 50 Jahre Treue, wie ist dies zu verstehen?
„ Auch mächtigeWasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg.“ Hld 8,7a
Dieser geheimnisvolle Bund mit Christus ist – menschlich gesehen – ein unbegreifliches Geschenk! Ein Gott, der sich über seine Kreatur neigt, sie liebevoll und unwiderstehlich an sich zieht und um ihre Zusage ringt! Liebe Gemeinde, so haben wir Grund Sie ganz herzlich einzuladen mit uns zu
feiern, zu danken und zu staunen!Wir tun dies am Samstag, 6. September um 18:30 Uhr der Eucharistiefeier in St. Michael mit anschließendem Stehempfang!          Sr. Carlagnese

Auszüge aus der Ansprache von Sr. Narcisia:

Lieber Herr Dekan Steiger, liebe Gemeinde, liebe Gäste und Freunde, meine lieben Carlo Steeb Schwestern,
es ist mir eine Freude, dass ich mit Ihnen/ Euch hier sein darf,um Gott zu loben und ihm zu danken für 50 Ordensjahre, die mir zu teil geworden sind. Es ist schön, dass ich diese Freude mit Ihnen /Euch teilen und gemeinsam feiern kann. Dass ich diesen Tag erleben darf ist Sein Geschenk. Der treue Gott hat mich bis hier her geführt und getragen.
Ich bin froh, in einer religiösen Familie mit vielen Geschwistern aufgewachsen zu sein. Jeden Morgen machten wir uns auf den Weg zur Kirche, einemFußweg von etwa 30 Minuten, um die Hl. Messe zu feiern. Die ganze Familie war versammelt, um gemeinsam zu beten und Gott zu loben, und dies nicht nur sonntags,
sondern jeden Tag - auch imWinter. Niemand hätte mich davon abhalten können. Das starke Verlangen nach Gott ließ Kälte und Mühe vergessen.
Wann und auf welcheWeise spürte ich den Ruf Gottes zum Ordensleben? Es war amTag meiner ersten Hl. Kommunion, in der Begegnung mit Jesus in der
Eucharistie. In den Tagen der Vorbereitung durch unseren Pfarrer Don Pompiglio wurde uns ans Herz gelegt: „Bittet Jesus um alle Gnaden, um die ihr
ihn bitten wollt“. Diesen Satz hatte ich mir eingeprägt und zu Herzen genommen und ich glaube, dass hier meine Berufung begonnen hat. An diesem Erstkommuniontag sagte ich nämlich zum Herrn: „Ich will dein sein für immer“... Über dem Altar war eine Aufschrift zu lesen: „Schöpft voll Freude aus den Quellen des Heils“, und mit noch größerer Inbrunst habe ich gebetet: „Ja, Herr, ich will dein sein für immer!“
Diese Entscheidung brachte mir allerhand Schwierigkeiten ein. Als ich meinem Vater diesen meinen Entschluss eröffnete, erntete ich ein glattes Nein.Verständlicherweise, denn ich war erst 16 Jahre alt. Es ergab sich, dass ich bei einer Ferienfreizeit teilnehmen konnte, die von Ordensschwestern geleitet war, und ausgerechnet von den Sorelle della Misericordia.
Schon in den ersten Tagen wurde mir klar: „Das hier ist mein Platz!“ Es folgten weitere zwei Jahre, die ich an der Seite der Schwestern verbrachte. Dann kehrte ich zurück ins Elternhaus, um erneut meinen Entschluss vorzubringen. Diesmal erhielt ich den Segen der Eltern.
Schweren Herzens ließen sie mich gehen, d.h. meine Eltern haben mich begleitet, es war der 02. Februar 1956. Ja, meine Familie habe ich verlassen, aber ich habe eine neue, eine größere gefunden: Meine Schwestern und Sie alle!
Die Eucharistie war für mich immer schon ein zentraler Punkt, sozusagen wie ein Feuer, das brennt und das das Ordensleben in der Liebe erhält. Am 02. September 1958 legte ich die ersten Ordensgelübde ab. Später erhielt ich den Auftrag, nach Tübingen in das Carlo Steeb Heim zu gehen – für mich ein totales Neuland. Die größte Schwierigkeit von allen war und ist auch heute noch die Sprache. Mit Hilfe der Mitschwestern habe ich es jedoch bis hierher geschafft. Mit den Worten des Psalmisten sagte ich: „Der Herr ist mir Hilfe und Schild, ich werde nicht wanken. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil! Denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.“ Ps 23,4
Ich bitte Gott inständig darum, dass unsere heutige Jugend nicht taub ist, Gottes Stimme zu hören, insbesondere unsere jungen Menschen von St.
Michael in Tübingen. Ich bin überzeugt, dass es auch heute noch Berufungen gibt ! Dass sie anders aussehen, das versteht sich von selbst.

Grazie! Testimonianza Sr. Narcisia