Katholische Kirchengemeinde St. Michael Tübingen
Familienkatechese


Das Anliegen allgemein (Stand 2004)

Mit Familienkatechese wird eine bestimmte Art der Vorbereitung auf die verschiedensten Sakramente bezeichnet. Meistens betrifft es die Erstkommunion und das Sakrament der Versöhnung und damit Kinder im Grundschulalter. Aber nicht nur sie allein - und daher auch die Bezeichnung "Familien"katechese.
Denn das Hauptanliegen der Familienkatechese ist es, dass nicht ein einzelnes Kind sich auf den Empfang eines Sakramentes vorbereitet, sondern die gesamte Familie. Sie ist der Hauptort der Weitergabe des Glaubens. In ihr muss sich der Glaube im Alltag bewähren - und nicht in der abgeschotteten Reagenzglassituation des Gemeindehauses. Familienkatechese hat die Familie im Blick und nimmt die Eltern als die wichtigsten Glaubensstifter der Kinder ernst. Nicht irgendwelche Spezialisten sollen die Kinder mit ihren - oft auch unangenehmen - Fragen begleiten, sondern die alltäglichen Bezugspersonen.
Aus dem Anliegen, die Familie als Keimzelle des Glaubens anzusehen, ergibt sich die folgende Struktur.

Die Struktur

Struktur

Die wichtigste Komponente im großen Feld der Familienkatechese ist das Familiengespräch. Einmal pro Woche nehmen sich die Mitglieder einer beteiligten Familie - mindestens aber ein Elternteil mit dem "betroffenen" Kind
- Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei geht es nicht nur, aber auch um Themen des Glaubens. Das Buch "Gott mit neuen Augen sehen" gibt dazu Ideen vor, wie solche Gespräche ablaufen können und was Thema sein kann. Z.B. kann es während der Vorbereitung auf die Kommunion ein Gespräch zum Thema "Was uns gut tut" geben. Oder in der Vorbereitung auf das Sakrament der Versöhnung wird die Streitkultur der Familie thematisiert. Vieles mehr wird in diesen Gesprächen angesprochen und innerhalb der Familie verhandelt.Um darin auch von Seiten der Gemeinde Unterstützung zu erhalten und um den eigenen Glauben (wieder) genauer in den Blick zu nehmen, finden in regelmäßigen Abständen Elterngruppentreffen statt. Sie bestehen jeweils aus ca. 10 Familien und werden von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleitet, die meist selbst in früheren Jahren "Teilnehmer" bei der Familienkatechese waren.

Und auch für die Kinder gibt es Kindergruppentreffen innerhalb ihrer Altersgruppe. Einmal die Woche treffen sie sich für ca. eine Stunde und behandeln noch einmal die Themen des Familiengespräches, eben auf spielerische und kindliche Art. Wobei Kinder, die zu Hause nicht in den "Genuss" des Familiengespräches kommen, keine Nachteile haben. Es wird nichts abgefragt oder vorausgesetzt.

Begleitet werden die Kinder von Müttern oder Vätern aus den beteiligten Familien oder auch von Jugendlichen, die sich dieser Aufgabe stellen. Schließlich gibt es in dem ganzen Gefüge noch das Leitungsteam, das die Organisation unter sich hat und die Begleiterinnen und Begleiter der Eltern - und Kindergruppen durch regelmäßige Treffen unterstützt und begleitet.

Die konkrete Entwicklung in St. Michael + Erfahrungen

Seit 1997 läuft die Familienkatechese in St. Michael und sie ist noch lange nicht am Ziel. Jedes Jahr wird sie neu aufgelegt und auf Grund der Erfahrungen des vergangenen Jahres weiterentwickelt, verändert und hoffentlich auch jeweils verbessert.
Die Erfahrung der ersten Jahre hat eine Aufteilung in verschiedene Wege mit sich gebracht. Waren zu Beginn die Erstkommunion und die Versöhnungskatechese in einen Weg integriert, entwickelten sich daraus im Laufe der Zeit 3 Wege. Der Gedanke war dabei auch, Familien über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Folgende Angebote gab es daher:

Kinder der 2. Klasse Adventsweg ca. 4 Wochen im Advent zur Vorbereitung auf Weihnachten
Kinder der 3. Klasse Kommunionweg ca. 4 Monate zur Vorbereitung auf die Erstkommunion
Kinder der 4. Klasse Versöhnungsweg ca. 4 Wochen zur Vorbereitung auf die erste Beichte

Erfahrung der letzten Jahre nun war, dass sich die meisten Familien eben doch vor allem am Kommunionweg beteiligen und dass dafür dann 4 Monate fast zu kurz sind. Daher haben wir im Jahr 2002/2003 den Kommunionweg wieder verlängert und sind ein halbes Jahr unterwegs gewesen. Diese Zeit erscheint für viele im Vorfeld beinahe als Überforderung, stellt sich im Nachhinein aber als positiv heraus.
So sagte etwa eine Mutter nach der Kommunion 2003: "Ich wohne zwar schon eine Weile in St. Michael und hatte auch lose Kontakte. Aber seit diesem Kommunionweg jetzt kann ich wirklich sagen, dass es MEINE Gemeinde ist."